Es kann auch wieder nach oben gehen – Year 2007

Jahresrückblick 2007 - Emo -Vorworte

Manchmal geht das Leben Wege, die man nicht immer verstehen kann und vermutlich auch nicht muss.

„Life has a funny way of sneaking up on you.
When you think everything’s okay and everything’s going right.
Then everything goes wrong and everything blows up in your face.
That’s life.
Life isn’t all beer and skittles.“

Das musste ich in den letzten Jahren nur zu oft lernen.
Ich habe in dieser Beziehung verdammt viel Lehrgeld gezahlt.

Mein Leben war einmal so ruhig und so „easy“, vielleicht muss ich einfach die Schule des Lebens durchlaufen um zu verstehen.
Ich sei ein Träumer, nie ganz auf dieser Erde mit meinen Gedanken, sagt man von mir. Das mag stimmen und ich werde so vielleicht auch zukünftig sein, da ich es als eine Gabe empfinde, träumen zu dürfen.

Beinahe hätte das Leben es geschafft, mir diese Gabe zu nehmen – oder war es gar nicht das Leben, sondern ich selbst?
Vielleicht sollte es sich dieses Jahr zeigen, ob man mir diese Gabe nimmt.

Dieser Rückblick fällt mir das erste Mal besonders schwer zu schreiben – dieses Mal aber nicht primär, weil es emotionsreich war, sondern vielmehr scheine ich das Jahr 2007 und die letzte Jahre aus meinem Gehirn zu tilgen.
Als wollte es alle schlechten Erfahrungen, Geschehnisse vergessen machen, scheint mein Gedächnis diese langsam zu löschen.Hendriks Wandlung schon zu sehen der Kajal und die noch langen blonden Haaren
Dennoch bleibt in mir das bedächtige, vorsichtige, nicht sofort alles buntbemalt sehende, zurück.
Ich hoffe so sehr, die schlechten Erfahrungen und Geschehnisse werden gelöscht und nicht nur verdrängt, damit sie nicht irgendwann wie ein Vulkan zurück kommen können.

Dieser eigentlich Kinder zugeschriebene Schutzmechanismus, mit welchem sie schelchte Erfahrungen ablegen können, ohne sich daran später primär erinnern zu können, scheint auch bei mir gerade zu verlaufen.
Vielleicht war die erste Hälfte des Jahres auch nur so unspektakulär, dass ich mich nur kaum daran erinnere, aber warum schmerzen dann die Jahre davor jetzt auch nicht mehr so sehr?

So richtig beginnt mein Jahr 2007 erst im Juli bzw. August 2007. Ich werde mir sehr viel Mühe geben, um die Zeit davor wiederzugeben.
Ich hoffe, es kommt nicht zu ungewollten Brüchen in dem Artikel.

Um einiges zu verstehen, sollte man vielleicht auch das Interview aus dem Jahr 2007 kennen. Es ist aber nicht zwingend erforderlich.

Das Jahr beginnt

So düster, wie das Jahr 2006 schon wieder in meinen Gedanken endete, so begann es auch beinahe.

Obwohl ich in New York noch beschlossen habe, mit meinem „Kleinen“ Schluss zu machen, damit es ihm ohne mich besser geht, werde ich diesen Gedanken zu dieser Zeit noch nicht umsetzen.

Am 06. Januar landen wir wieder in Deutschland in Frankfurt am Main.
Ich glaube, es war ein schöner Tag, zumindest habe ich diesen Tag so in Erinnerung.
So schön waren auch die letzten Tage in meiner Erinnerung in New York. Vielleicht sind sie auch nur so schön, weil ich trotz der dunklen Gedanken ganz heimlich etwas schönes in meinem Herzen wiedergefunden habe.

Auf der einen Seite fand ich meinen Freund dort wieder, auf der anderen Seite muss mein Herz geahnt haben, dass die Pechsträhne vielleicht dieses Jahr ein Ende hat.
Dennoch ist es nicht so weit, dass es ganz vorbei ist mit dem düsteren und dem Pech.

Nach der Landung in Deutschland begebe ich mich sofort zu meinem Freund.
Als ich zu ihm komme, nimmt er mich in den Arm und zeigt mir, dass er mich vermisste.

Ich überlege, wie ich ihm sagen kann, dass ich vorhabe, ihn freizugeben, Schluss zumachen, dass er ohne mich ein besseres Leben führen könnte.

Als ob er es spürt, setzt er alles daran, dass ich nicht machen kann.
Bei ihm spüre ich, dass ich doch gebraucht werde und mache nicht Schluss.

Stattdessen ermutig er mich, dass ich endlich das vollziehe, was ich schon längst wieder machen wollte.
Er gibt mir die Zuversicht, dass es genau der richtige Schritt sei, wieder offen „Emo[1]“ zu sein. (Wobei mich der Hype etwas abschreckt, aber wieso sollte ich verstecken, was ich fühle und in welcher Musik ich aufgehe?)

Dies muss das erste Mal gewesen sein, dass das Wort „Emo“ so gefallen ist. Bisher war es immer darin verschleiert, dass ich wieder wie damals „dunkler“ werden möchte.

[1] Wikipedia-Erklärung zum Thema Emo


Die Wandlung beginnt

Ich beschließe, dass ich meine Haare wachsen lassen möchte, was ich mit der Prämisse schon seit Oktober tat, und dann schwarz färben lassen werde, meine Augen mit Kajal zu schminken, vielleicht auch, wenn ich zu einer Party gehe, auch die Fingernägel schwarz zu lackieren, xs-Röhrenjeans zu tragen, vorallem dunkle Kleidung zu tragen.
Also alles so, wie ich schon mal aussah und mich eigentlich auch wohl fühlte.
Dass ich mir im Januar doch noch einmal die Haare habe kurz schneiden lassen und teilweise blondieren, verzeichne ich heute als kleinen Unfall.

Ich möchte meinen Freunden, Eltern und Bekannten eigentlich eine Chance geben, sich langsam wieder an den Hendrik zu gewöhnen, der aussieht wie ein „Emo“, also auch an den „dunkleren“ Henne zu gewöhnen.
Zu oft habe ich sie in letzter Zeit mit spontanen Aktionen erschrocken und vielleicht dadurch auch ihr Unverständnis geerntet.

Ich erzähle ihnen aber schon jetzt, dass ich diese Wandlung sehr bald vollziehen werde.
Sie können es kaum glauben und denken wohl: „Lassen wir ihn reden.“

Das schwarze kommt

Im Februar beschließen mein Freund und ich, da wir beide Zeit haben für gewisse Wochenden in unser Ferienhaus nach Viareggio, Italien zu fahren.

Ich merke zu dieser Zeit, dass die Erinnerungen besonders ans letze Jahr immer näher kommen, besonders die an dem Schicksalhaften 2. März 2006, der sich 2007 das erste Mal jähren wird.
Diese Zeit will ich aber vergessen machen und beschließe mich jetzt entgültig nach aussen zu ändern.
Habe ich schon im Januar begonnen entgültig meinen Kleidungsstil umzustellen, werde ich dies jetzt in Italien entgültig vollziehen.

Die Wandlung und ihre ersten Bilder von HendrikAußerdem beschließe ich spontan, an einem sonnigen Samstag mit meinem Freund am Strand mir schon jetzt die Haare von einem Frisör schwarz färben zu lassen.
Ich kann zwar ein paar Brocken italienisch, aber zu einem Frisör habe ich mich bisher damit noch nicht getraut. – Man möchte ja auch nicht völlig verunstaltet aus dem Laden gehen. ^^

Direkt in unserer Straße ist auch ein Frisör. Der Sohn unseres Housekeepers hatte mir einmal erzählt, dass dieser ganz gut sei. So begab ich mich als zu diesem Frisör.
Aus einer Mischung Englisch und meinem gebrochenem italienisch machte ich dem Frisör klar, dass er meine Haare bitte schwarz fräben solle, aber nicht schneiden, maximal die Spitzen angleichen, da ich mir die Haare wachsen lassen wolle.

Als ich aus dem Laden kam, fühlte ich mich ganz anders – irgendwie neu. Als wäre es das erste Mal alles abgefallen von mir. Dieses Gefühl sollte ich noch einmal in diesem Jahr haben.

So stand ich da auf der Straße und tankte ein neues Selbstwertgefühl.
Ich lächelt so, dass es meinem Freund mehr auffiel, als meine schwarzen Haaren.

An diesem Abend gingen wir in einem Club und dort hatte ich eine magische Wirkung auf die Mädels. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte diese.Hafen von Viareggio
Eigentlich stehe ich nicht auf Mädels, aber das heißt nicht, dass man nicht gerne begehrt wird. Meine Selbstwertgefühl tat es an diesem Tag richtig gut.

Ich begann wieder auzublühen und ich glaube, ich habe sogar wieder sehr oft gelächelt.

Aber ich entdeckte noch mehr an mir, bzw. ich entdeckte es wieder.
Ich habe das Gefühl für die Musik in Viareggio gefunden. Das heißt nicht, dass ich es vorher nicht hatte, sondern es heißt, dass ich begonnen habe, wieder Vertrauen darin zu finden, selbst zu singen und darüber die Gefühle vielleicht auch leiten zu lassen.

In Viareggio beginne ich zu singen und die sollte noch sehr oft geschehen, dass ich wieder singe.

Wenn ich Musik performe, dann fühle ich mich so frei, innerlich so glücklich und leicht.
Besonders die „Emo“-Musik lässt mich dies fühlen.

Wann immer ich kann wird Musik gemacht.


Die dunklen Gedanken kommen zurück

Das alles ändert aber nichts daran, dass die dunklen Gedanken zurückkehren.

Wieder in Deutschland sehen mich meine Eltern zum ersten Mal mit schwarzen Haaren, zwar noch mit den relativ kurzen Haaren, aber der Schritt zur Wandlung ist damit voll im Beginn.
Ich erspare es meinen Eltern beim ersten aufeinander Treffen, dass ich auch noch Kajal und schwarzen Nagellack nutze.
Am Mobiltelefon, bevor ich zuhause ankomme, habe ich meinen Eltern schon erzählt, dass ich irgendwie anders aussehen würde, wenn ich zurück komme.
Meine Mom sagte nur ungläubig so etwas wie ein: „Ja, ja…“
Obwohl ich es seit Monaten schon voraussagte, dass ich mir die Haare schwarz färbe, konnten, oder wollten meine Eltern es nicht glauben.
Sie nehmen es aber gut auf und es ist für sie auch kein Problem, dass ich jetzt der „schwarze“ Hendrik bin. ^^

Schild vor US-Schienen an einem Ort mit einigen Selbstmorden. Es bietet dem verzweifelten Hilfe an, in dem er eine kostenlose Nummer anrufen sollDer 02. März, nähert sich immer mehr und damit kommen auch wieder die Gedanken zu dem Zurück, was an dem Jahr zu vor geschehen ist.
Genau am 02. März, längst wieder in Deutschland, kann ich nicht mehr. Ich breche zusammen und verstehe mich selbst nicht mehr.
Alles ist wieder vor mir, wie es noch ein Jahr zu vor war, wie es geschehen es, wie es dazu kam.
Mit diesem Augenblick kommen das erste Mal auch die Paniken zurück.

Ich stehe davor, ein Messer zu nehmen und mir endgültig das Leben zu nehmen. Ich kann einfach nicht mehr und will es nicht mehr.
Mein Freund bemerkt diese Stille in mir an diesem Tag und fängt mich zunächst noch auf.
Ich sehe den Unsinn meines Entschluss und dass ich mich von dieser Art der Emotion nicht länger treiben lassen sollte.

Es ändert aber nichts, dass die Paniken sich langsam wieder in mein Leben schleichen.

Zum ersten Mal bin ich dann auch mal wieder privat ins Internet und auf die „blauen Seiten[2]„, um zu chatten – mehr nicht.
Ich lerne dort jemanden kennen, mit dem ich auch ein paar Mal tele.
Ich möchte aber sicher gehen, dass er nicht ein Freund von F.[3] ist, da ich nicht will, dass F. denkt, ich könnte so an ihn kommen wollen und kläre Marcel sofort darüber auf, was ein Jahr zu vor geschehen ist.
Er antwortet, dass er F. nicht kenne, schreibt ihn aber unglücklicherweise daraufhin an und fragt ihn vielleicht auch nach mir.

Im guten Glauben, dass er mir vielleicht etwas gutes damit tut und ich endlich F. von dem Heldensockel kippe, auf den ich ihn gestellt habe, erzählt er mir, was F. über mich erzählt habe.

Ich möchte nicht genau wiedergeben, was F. ihm schrieb, aber im Groben werde ich dies wohl müssen.
F. schrieb ihm, dass er vorsichtig sein solle, dass ich hinterhältig und falsch sei, dass mein Anhang das letzte wäre und ich auch nicht so dolle aussähe (letzteres würde ich auch nie anders von mir sagen, aber er sagte es mir immer anders) und dass ich ein Stalker sei. Dass dies noch nicht das schlimmste sein sollte, werde ich aber erst später erfahren.
Ich wollte aber auch nicht mehr von Marcel darüber erfahren und bat ihn, mir nichts weiter zu erzählen. Desweiteren wollte ich nicht, dass F. denkt, ich würde Marcel vorschieben, um ihn auszufragen.

Wie vor den Kopf gestoßen, vorallem dass ich ein Stalker sei, konnte ich gar nicht verstehen. Ich schwöre, ich bin kein Stalker und habe nie einenDie Startseite der blauen Seiten (Gayromeo.com) Kontakt zu F. seit dem 02. März 2006 gesucht.
Ich habe ihm nur zwei oder drei SMS gesendet und geben, dass ich mich erklären düfte. Danach habe ich auf ein Signal von ihm gewartet, dass er mir eine Chance zum Erklären gibt.
Ich habe selbst eine Art „Stalker“, der mich belästigt. Zum einen ist das für mich eine psychische Erkrankung, die einer Behandlung bedarf und zum anderen schon weil ich einen dieser Art „mein Eigen“ nenne, würde ich sowas nicht machen.
Allerdings ist mein „Stalker“ etwas „aus dem Ruder gelaufen“ und belästigt seit meinem Unfall im August 2006 auch per e-Mail F..

Da ich wie vor dem Kopf gestoßen war, frage ich F. per Mail, was das soll und warum er das nicht auch mir so sagen könnte.
Er war für mich noch immer mein Engel.
F. antwortete mir, dass er es so nicht gemeint habe und relativierte alles. Vorallem schreibt er mir, dass er mit dem Stalker nicht mich meine, sondern meinen Stalker, er leider auch ihn belästigt. Dies kann ich verstehen. Ich konnte damit leben und war glücklich, dass er mir überhaupt geantwortet hat und besonders nicht mich mit dem Stakler meine. Dennoch beschloss ich auch, F. auch weiterhin wieder in Ruhe zu lassen.

Aber als hätte diese Nachricht an Marcel von F. einen Schalter bei mir umgelegt, begannen jetzt meine Panikattacken wieder so richtig.
An einem Abend, als ich mich mit Marcel zum „Gaylirium[4]“ in Kiel treffen wollte zum Feiern und aus diesem Grund mit dem Zug nach Kiel wollte, konnte ich nicht mehr. Die Paniken hielten mich auf. Mitten auf der Strecke musste ich umdrehen.

Marcel glaubte mir das wohl nicht – kein Wunder bei dem, was er alles von F. gehört haben muss von mir – und wir brachen den Kontakt wieder ab.

Meinem Freund mochte ich auch nicht davon berichten, dass meine Paniken wieder mehr und mehr zurückkamen, brauchte ich auch nicht, denn ich aus irgendeinem Grund konnte ich noch zu ihm fahren. Doch auch das sollte sich im April verschlechter.

[2] „Die blauen Seiten“ oder auch „schwules Einwohnermeldeamt“ sind gebräuchliche Begriffe für die Seiten von www.gayromeo.com
[3] F. ist mein oft als Engel bezeichneter Mensch. Ich kürze seine Namen ab, da ich ihn nicht kenntlich machen möchte, aber auch mit ihm abgeschlossen habe
[4] Gaylirium ist eine Schwulen- und Lesbenveranstaltung, die einmal im Monat in Kiel stattfindet


Der Sockel des Engels beginnt zu bröckeln

Aber zunächst stand noch am 22. März. 2007 mein 17. Geburtstag an.

Wollte ich den eigentlich „groß“ feiern, habe ich mich durch die beginnenden Paniken dazu entschlossen, ihn nicht mehr zu feiern.
Ich bin zu meinem Geburtstag mit meinem Bruder zu meinem und seinem Freund geflohen, der in Nähe meines Freundes wohnt.

30 Seconds To Mars Jared Leto bei einem Tourauftritt in Mailand, Februar 2008 (Bitte den Hinweis am Ende dieser Seite beachten)Dort feiern wir dann meinen Geburtstag mit den Freunden unserer Freunde.
Eigentlich war das auch nicht so schlecht, zwar habe ich im Hinterkkopf immer noch meinen „Engel“, der meine Gedanken noch nicht ganz verlassen hat und das war letzte Jahr zu meinem Geburtstag war, aber ich kann sagen, dass dieser Geburtstag wieder ein schönerer war, als die letzten.
Ich genieße den Geburtstag, ich bin voll aufgepimpt mit Kajal, den schwarzlackierten Fingernägeln, die angepassten Klamotten (nur die Haare waren immer noch nicht lang genug, aber schwarz xD) und das erste Mal werden auch andere, meine wieder entdeckte, musikalische Ader erleben dürfen.

Ich performe Songs von 30 Seconds To Mars und Fall Out Boy und ich fühle mich „sau“ gut.
In diesem Augenblick vergesse ich alles, was um mich herum geschehen ist. All das negative war für diesen Moment weg.

An diesem Abend gründen wir eine kleine Band, noch ohne Namen, aber den wird sie noch in diesem Jahr bekommen.

Mitte April lerne ich dann wieder jemanden auf den „blauen Seiten“ kennen, er heißt Ben.
Da ich immer noch vorsichtig bin, frage auch ihn, ob er F. kenne und ob er ein Freund sei.
Er schrieb mir nur, dass man mal geschrieben hätte, sich aber sonst nicht kenne.
Damit konnte ich leben, denn Ben war kein Freund von F. und er hätte mir so auch keine Kontaktanbahnung (oder wie man das nennen soll) zu ihm vorwerfen können.

Nach einer gewissen Zeit, es muss Anfang Mai gewesen sein, verlinkte mich Ben auf den „blauen Seiten“ als einen Freund.
Dies sah F. und er schrieb Ben, ähnliches wie Marcel zuvor, allerdings mit dem für mich expliziten Zusatz, dass, wenn er mir einmal begegnen würden, mich verprügeln wolle und dann die Polizei rufen (den Sinn des letzteren verstehe ich bis heute nicht, ist aber auch egal). Nach dieser Nachricht, sperrte er Ben für jede weitere Kontaktaufnahme.

Da Ben eine Aufklärung wollte, was diese Nachricht von F. zu bedeuten hätte, erfuhr ich davon.

Wütend über die erneuten Vorwürfe und zugleich traurig, dass F. so etwas „sagen“ konnte, habe ich lange überlegt, was ich machen sollte.
Ich konnte die „Vorwürfe“ einfach nicht gelten lassen, aus diesem Grund schrieb ich F. an, mit der Frage was es solle.Panik, wie auf Knopfdruck - Dieses Bild steht unter der CC-Lizenz. Bitte den Hinweis beachten
Da er dennoch noch immer einen „Heldenstatus“ bei mir hatte und noch immer die Aussöhnung mit ihm erhoffte und bereit war, alles dafür zu tun, was F. von mir verlangt, bot ich ihm in der gleichen Mail noch an, dass er mir nur einen Ort und eine Zeit nennen solle und mich dann verprügeln könne. Ich würde mich nicht wehren. Wenn es ihm helfe, mir zu verzeihen, sei ich dazu bereit. Die Polizei benötige es nicht, da ich mich ja freiwillig verprügeln ließe und nicht wehren würde. – Ich hätte es wirklich über mich ergehen lassen und würde es vielleicht noch heute.

F. hat mir geantwortet und dies auf eine Art und Weise, mit der ich nicht gerechnet habe.
Zunächst begann er seine Nachricht damit, dass ich immer nur bei ihm ankomme, wenn er etwas gemacht haben solle. Ich solle doch einmal vor meiner eigenen Türe kehren. Ich wollte doch etwas besseres sein. Er hätte mich auch so gemocht. Er sei von mir enttäuscht und ich hätte sein Vertrauen missbraucht.
Er fragte mich, wer ich wirklich sei. Ich solle die Wahrheit sagen.

Wie Recht er doch hatte, dachte ich.
In meiner Antwort habe ich mich bei ihm entschuldigt und F. weiß jetzt mehr über meine Vergangenheit, als ich jemals bereit wäre auch nur einem anderen zu sagen.
F. fragte auch mehrmals nach, was alles zu bedeuten hatte.
Ich habe offen und herlich geantwortet.

Aber das schönste für mich in diesem Augenblick, er gab mir die Chance, zu erklären.
In diesen Momenten der Mails war ich sicher der glücklichste Mensch der Welt, denn mehr wollte ich doch nicht. Ich wollte mich erklären dürfen und rehabilitieren, nicht mehr der „Faker“ für ihn sein.
Okay, ich mag dann immer gehofft haben, dass es dann wieder alles wie früher ist, aber ich musste einsehen, dass es so noch mehr sein wird. Dies wird noch einen weiteren Moment im Mai „mit sich bringen“, dazu im folgenden mehr.

Es war natürlich nicht so, dass alles wieder gut war. Ich denke aber, dass F. mir wieder glaubt und mich vielleicht versteht, warum ich damals so gehandelt habe.
Er wird mir aber nie mehr vertrauen können. Es wird nie mehr, wie damals. Nachdem ich alles erklärt hatte, erhielt ich keine Anwort mehr von F.. Damit habe ich verstanden, dass es mich erklären durfte und das war es.

Im folgenden nahmen aber meine Paniken weiter zu, hinzu kamen grauenvolle Alpträume aus meiner Kindheit hinzu und ich sah keinen Ausweg mehr heraus.
Ich glaube, ich habe selten so dunkle Gedanken gehabt und so wenig Hoffnung gehabt, wie zu diesen Tagen.
Über diese Tage möchte ich nicht mehr viel Worte verlieren.
Ich bitte euch, einfach den Artikel „Wenn man nicht mehr kann“ und das „Interview 2007“ im zweiten Teil unter der Überschrift „Ich entspreche allem, nur keinem Klischee“ zu lesen (ausnahmsweise habe ich beide Artikel einmal so verlinkt, dass sie sich in neuen Fenstern öffnen).

Hinweise zu den Bilderquellen:
– Alle Bilder stehen unter der CC-Lizenz und entstammen von der Fotocommunity Flickr.com.
– „30 Seconds To Mars in Mailand 2008“: Lonely Angel CP; Bezeichnung: „30 Seconds to Mars Milan 12-13 February 2008
– „Panik, wie auf Knopfdruck“: star5112; Bezeichnung: „Panic Button


Nach dem Versuch ist…? – Ein Neuanfang

Ich glaube, in diesem Augenblick habe ich meinen Tiefpunkt erreicht.
Ich konnte und wollte nicht mehr, aber das erste Mal bekam ich Hilfe, die mir auch half.

Mein Freund, meine beste Freundin, meine Freunde, die ich wieder gewonnen habe, mein Bruder und das erste Mal auch so richtig wieder meine Eltern standen danach bei mir.
Sie unterstützten mich, dass ich wieder nach oben komme und dass es mir gut geht.
Ich bin wie neugeboren. Denn jetzt weiß ich wieder, wofür ich lebe. Es gibt Menschen, denen ich wertvoll erscheine. Die mir sagen: „Verdammt noch mal, du musst leben. Du bist was wert! – Du bist uns was wert.“

Dieser Sommer wird ein schöner Sommer

Kieler Hörn - Dieses Bild steht unter der CC-Lizenz. Bitte den Hinweis unten beachtenAus dem Krankenhaus entlassen vollende ich mein „Emosein“, in dem endlich meine Haare auch lang genug sind und ich entsprechend schneiden lassen kann. Als der Frisör meine Frisur, wie ich sie mir vorstellte, vollendet hatte und sie mir im Spiegel zeigte, fühlte ich mich nicht nur wertvoll, wie ein neuer Mensch, sondern auch endlich wieder besser aussehend.
Ab jetzt trage ich auch entgültig immer eine Haarpartie über dem rechten Auge und gehe nicht mehr ohne Kajal geschminkte Augen aus dem Haus.
Ich fühle mich komplett und glücklich.

So wie ich jetzt aussehe, so war ich immer. Durch die Kleidung, die Frisur zuvor spielte ich eine Rolle, in die ich mich zurückziehen konnte, aber ich war nicht der Hendrik, der sich bisher unter den „blonden Haaren“ versteckte, sondern ich bin der Hendrik, der die schwarzen Haare hat, der auch mal den leicht depressiven Blick zeigen darf, der sich nicht anpasst und wie alle ist.

So wie ich jetzt aussehe, so sehe ich gut aus.

Die Verwandlung verlief auch in einer angepassten Zeit, so dass alle sich an mich gewöhnen konnten.

Wie ich schon schrieb, habe ich die Musik für mich entdeckt, um mich auszudrücken und das vollende ich im Juni und Juli mehr und mehr.

Mein Freund war im Juli mit seinen Freunden bei uns im Norden zu Besuch. Unter anderem waren wir in Hamburg unterwegs und sind dort durch die Clubs gezogen.
Als wir dann morgens von Hamburg mit der Bahn zurück wollten, habe ich uns in den falschen Zug gesetzt, so dass wir statt auf Fehmarn, in Kiel ankamen. Dort hatten wir nun einen kleinen Augenblick aufenthalt und wir gingen zur „Hörn“ runter.

Dort angekommen redeten wir, erzählten uns, was wir alles gemacht haben.
Irgendwann kamen mein Freund, mein Bruder Phill und ich auf die Idee, wir sollten mal etwas performen.
Ich habe keine Ahnung, es war morgens um 5 Uhr oder so und wir fingen ernsthaft an zu singen, wie wir es schon im Juni des öfteren bei dem Freund meines Bruders im Stadtpark taten.
Wir brachten Musik von 30 Seconds To Mars, Fall Out Boy und anderen. Es war einfach nur geil und irgendwie sollten wir froh sein, dass es niemanden störte.
Dabei haben wir dann auch unsere neue Band gegründet die „Hörn Rockz an‘ Friends“.
Zu dem Namen kams, weil ich am Ende eines Titel realtiv laut sagte: „Hörn rocks“, die Anlehnung an Konzerten, in denen ähnliche Ausrufe von Bands kommen.
So kam uns dann auch der Name für die Band.

Wir machen das nur für uns, aber es bring noch immer Spaß. Wir treffen drei bis vier Mal die Woche, zwar in einer leicht veränderten Besetzung, aber dennoch.

Seit meinem entgültigem Umstyling habe ich so viel Selbstvertrauen getankt, dass ich endlich wieder glücklich bin.
Ich glaube, in diesem Sommer kam die Wende in meinem Leben. Vielleicht bekann sie schon im Januar, aber jetzt sollte sie sich vollenden.

Am 21. Juli 2007 sind dann los zu unserer Kreuzfahrt nach Tokio geflogen, von wo aus wir dann später zu unseren Schiff gebracht wurden.Brücke in Tokyo
Zu unserem Abflug habe ich mich komplett als Emo gestylte. Für meine Eltern ist es noch ungewöhnlich mich so zu sehen.
Ich dachte, es würde sicher ein paar kleinere Probleme mit ihnen geben und etwas widerstand. Durch mein neues Selbstvertrauen wollte ich dem aber entgegentreten.
Zu meiner Verwunderung gab es keine Diskussion wegen meines Auftretens. Auch als ich ihnen sagte, dass ich während der ganzen Kreuzfahrt so aussehen würde, machte ihnen nichts aus.
Einzig ich bekam einen neuen „Nick“ von meinem Paps. Ab jetzt nennt er mich sein „little Rockstar“. Überall wo wir ankommen, bin ich sein „little Rockstar“.
Das sagt er nicht mit einem gehässigen Unterton, sondern mit Stolz und meine Mommy lächelt dabei mit dem gleichen Stolz.
Ich scheine ihm, ich scheine ihnen zu gefallen und das wiederrum tut mir unheimlich gut.
Wie oft habe ich in den letzten Jahren danach leise, durch meine Taten vielleicht sogar laut geschrien, dass ich ihnen wieder gefallen möge, dass ich endlich wieder was richtig mache, dass sie mich verstehen, ich habe darum innerlich gebettelt. – Jetzt scheint es so zu sein.
Es sind diese kleinen Dinge, die sie mir zeigen, wie dieser Nickname, oder der Stolz in ihren Augen.

Hinweise zu den Bilderquellen:
– Alle Bilder stehen unter der CC-Lizenz und entstammen von der Fotocommunity Flickr.com.
– „Kieler Hörn“: arne.list; Bezeichnung: „Kiel, Hörn Campus


Die Kreuzfahrt

Auch in Tokio angekommen, führte ich es so fort. Mein Aussehen blieb so, wie ich mich wohlfühlte und unseren Elten gefiel es.

Ich war das erste Mal in meinem Leben in Tokio.
Diese Stadt ist einmalig und hat mich in ihrer Art, ihrer Größe, ihrem Erlebnisfaktor in den Bann gezogen.
Leider waren wir viel zu kurz in Tokio, aber ich werde sicher eines Tages wieder nach Tokio kommen.

Gebäude in TokjoWährend der Kreuzfahrt sind quer über den Pazifik gefahren. Jede Insel, jedes Land, an dem wir anlegten war eine Sensation.
Die Länder mögen „arm“ an Geld sein, aber reich an Kultur und Schönheit.

Mich hat Asien wie kaum ein anderes Land in seinen Bann gezogen. Ich überlege schon, später im Studium mein Auslandssemester in einem asiatischem Land zu machen, um die Leute und Leben wirklich kennen lernen zu dürfen.

An Bord des Schiffes habe ich mich ebendso wohlgefühlt. Es war ein Schiff mit überwiegend Amerikanern an Bord. Klar, es waren zumeist Personen über 60, ich mag fast sagen, über 70 Lebensjahren – Phill und ich waren die jüngsten auf dem Schiff, aber das war egal.
Phill und ich haben uns den Spaß geholt, den wir brauchten.

An einem Nachmittag, die meisten Passagiere waren an Deck, oder aber in ihren Kabinen, haben Phill und ich das Foyerdeck erkundet. Dort stand ein Klavier und ein Mikrophon.
Aus irgendeinem Grund war es nicht verschlossen bzw. abgebaut worden.
In meiner eigentlich frühen kindlichen Naivität und Selbstsicherheit ging ich zu einem Stewart und fragte ihn, ob mein Bruder und ich das Klavier und Mikrophon nicht einfach kurz nutzen dürften, um etwas vorzutragen. Ich argumentierte, dass um diese Zeit niemand auf dem Foyerdeck sei und wir auch keinen „Unsinn“ machen würden.
Ich rechnete nicht ernsthaft mit einer Erlaubnis, aber ich hoffte darauf und ich die Hoffnung bekam Recht, nachdem der Stewart, ich denke, den Kapitain über den Bordfunk gefragt hat.

Phill kann sehr gut Klavier spielen und ich sang dazu ein paar Songs.

Es kamem doch ein paar Leute zusammen, die uns zuhörten. Ich weiß nicht, ob man aus Höflichkeit applaudierte, oder ob sie wirklich erkannt haben, dass wir gut waren, aber es schien ihnen wirklich zu gefallen und mir ging es dabei richtig gut.
Ich weiß, dass ich damit nie Geld verdienen könnte, will ich auch nicht: Ich weiß auch, dass ich keine Chance als ein Star hätte, aber dieserKreuzfahrt Sekunde war ich es und das ist so ein geiles Gefühl!
Wir haben diese Sessions dann noch an den weiteren Tagen wiederholen dürfen und einmal war sogar der Kapitain anwesend und auch dem gefiel, was er hörte.
Was mich besonders freute, war, dass es eigentlich Songs waren, die die Damen und Herren sicher nie hören würden, aber sie gefielen.

Als wäre der Nick meine Paps ein kleines Omen gewesen, fühlte ich mich ganz heimlich wie ein kleiner Rockstar.

Phill sagte mir später, er habe meine Augen lange nicht mehr so leuchten sehen, wie an diesen Tagen. – Na ja, Augen? Eigentlich kann er nur eines sehen, vor dem anderen hängen ja die schwarzen Haare. xD

Dieses waren ganz bestimmt die schönesten Momente in diesem Jahr, vielleicht sogar in meinem ganzen Leben.
Ich liebe dieses Gefühl der Mitte. Mögen es einige als eine schlechte Eigenschaft empfinden, so finde ich es gar nicht so schlecht auch mal in der Mitte der Menschen zu stehen.

Ein kleiner, aber wohl auch für immer bleibender Wunsch, ist es, auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen und Menschen zu begeistern.
Diesen Wunsch hatte ich schon als kleines Kind und ich werde ihn immer in meinem Herzen tragen.

Die restliche Zeit verbrachten wir damit, uns die wohl schönsten Orte an Asiensküsten anzusehen.


Lübeck jetzt kommt eine Emo Henne

Ende August kommen wir dann von unserer Kreuzfahrt zurück und es erwartet mich eine neue Überraschung, die mir zeigt, mein Leben hat seinen Tiefpunkt überwunden und es geht wieder nach oben. Der Blick kann auch mal wieder nach vorne gerichtet werden, statt nur zurück.

Hendrik im Winter 2007Aber zunächst beginnt wieder die Schule, mittlerweile sind meine Haare auch so lang gewachsen, dass ich eine „richtige“ Emo-Frisur tragen kann.

In der Schule erwartet mich eigentlich nicht viel neues, außer dass meine Mitschüler vielleicht etwas verwundert sind, wie ich mich nun endgültig verwandelt habe.

Zu meiner Verwunderung nehmen sie dies aber positiv auf.

Ich werde sogar wieder Schulsprecher, wie in dem Jahr zu vor. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass mir Schule wieder „Spaß“ machen kann.
Dazu kommen die Proben mit der Band, die sich nun mehr findet.

Der September ist eigentlich ein schöner Monat.
Meine Paniken, die noch im Sommer da waren haben sich jetzt entgültig „verzogen“.

Die Beziehung zu meinem Freund allerdings hat sich nach der Kreuzfahrt ein wenig entfernt, was sehr bald ein Ende bedeuten soHolstentor in Lübeckllte.

Im Oktober sind dann die Herbstferien und auf eine Idee meines Vaters, da ich ja auch Medizin studieren möchte, wie er, sehe ich mich an der Uni in Lübeck zu dem dort neuen Semester genauer um.

Hier lerne ich jemanden kennen, der für mich noch zu einer wichtigen Person werden soll – Tim.

Die Entfernung zu meinem Freund führt dazu, dass wir uns noch im Oktober trennen.
Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt schon in Tim verliebt. Wir kommen uns immer näher.
Am 12. November kommen wir dann zusammen. – Er hat mich gefragt. Ich hätte mich wohl nie getraut.
Ich sage ja und wir sind zusammen.

Dank Tim bin ich wieder glücklicher und es macht  mein Leben einfacher.

Im Dezember fliegen meine Eltern, Phillip und ich, wie jedes Jahr in die USA.
Verbringen dort Weihnachten und Neujahr.